Doch noch heute fordert er Opfer, wie den Kommandanten der Schweizergarde, Alois Estermann, und dessen Ehefrau, die im Mai 1998 im Vatikan ermordet wurden. Der mutmassliche Mörder, ein junger Gardist, brachte sich am Tatort selbst um – ein Drama mit biblischen Dimensionen. Roland Huber geht in seinem «DOK»-Film der Frage nach, was hinter diesem aufsehenerregenden Fall voller Fragezeichen steht.
Mit der Bluttat aus der eigenen Reihe kam die stolze Schweizergarde ins Zwielicht: Heiliger Zorn im Innersten der katholischen Kirche, das hatte es in Rom noch nie gegeben. Die Gerüchteküche brodelte. Verdächtigungen wurden laut, der Vatikan habe die Hintergründe des Falles vertuscht.
Es hiess, der junge Walliser Vizekorporal Cédric Tornay habe den Karriereknick nicht verkraftet. Andere sagten, ein homosexuelles Verhältnis zwischen dem Kommandanten und dem Korporal sei der Auslöser zur Tat gewesen oder der junge Mann habe ein Verhältnis mit der Frau des Kommandanten gehabt.
Es gab auch Stimmen, die den Kommandanten als DDR-Spion bezeichneten und die Stasi als Täterschaft bezeichneten. Auch im Kontext der Tatsache, dass der strenge Estermann Mitglied des erzkatholischen Opus Dei war, wurde nach einem Motiv gesucht. Lange blieb zudem unklar, ob sich der 23-jährige Gardist selbst erschossen hatte – oder ob auch er ermordet wurde.
Der Vatikan als souveräner Staat pflegt seine eigene Justiz. Er untersuchte die Mordfälle in eigener Regie, hielt sich bedeckt und gab keine Unterlagen heraus. Weder die offizielle Schweiz noch der berühmt-berüchtigte französische Rechtsanwalt Jacques Vergès, den
die Mutter von Cédric Tornay engagiert hatte, bekamen Akteneinsicht. Der Pressesprecher des Papstes sagte bloss, ein Anfall von Raserei habe den jungen Gardisten überkommen, als er Alois Estermann, dessen Frau und danach sich selbst erschoss.
Roland Huber rollt den aufsehenerregenden Fall nochmals auf und fragt nach den Motiven der Tat. Im aktuellen Gespräch widerspricht der Journalist Michael Meier aufgrund neuerer Untersuchungen der These von der Ermordung Tornays. Er kommt zum Schluss, dass Cédric tatsächlich der Täter war und er sich anschliessend selbst tötete.
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